Seit Anfang Jahr steht Stefan Schenker an der Spitze der Schweizer Salinen. Im Interview spricht er über die Bedeutung einer offenen Unternehmenskultur, die Herausforderungen eines Monopolbetriebs und die strategischen Weichenstellungen für die kommenden Jahrzehnte – von neuen Salzvorkommen bis hin zum Grossprojekt «SalinaFutura», welches die Versorgungssicherheit der Schweiz langfristig sichern soll.

Sie sind seit dem 1. Januar der neue CEO der Schweizer Salinen AG in Pratteln. Was ist Ihnen in der Unternehmenskultur besonders wichtig?
Stefan Schenker: Die Schweizer Salinen legen traditionell Wert auf eine attraktive Arbeitsplatzkultur. Dabei sind uns unter anderem kurze Wege, eine lösungsorientierte Arbeitsweise und nicht zuletzt unsere Du-Kultur wichtig. Zentrale Werte sind für uns Verbindlichkeit, Klarheit, Transparenz und Vertrauen. Wichtig ist mir aber auch die Bereitschaft jedes einzelnen bestehende Prozesse und sein eigenes Wirken stets kritisch zu hinterfragen und offen zu sein für Neues. Wir bieten unseren Mitarbeitenden Weiterbildungsmöglichkeiten an und motivieren unsere Belegschaft dazu, sich aktiv über ihren Tätigkeitsbereich hinaus einzubringen, wie zum Beispiel beim Thema Nachhaltigkeit. Die bewusste Arbeit an unserer Unternehmenskultur schafft letztlich auch Innovationskraft und bringt uns vorwärts.
Die Schweizer Salinen sind ein Monopolbetrieb. Welche Chancen und Herausforderungen bringt diese besondere Marktstellung mit sich?
Die Schweizer Salinen stellen im Auftrag der Kantone und des Fürstentum Liechtensteins die Salzversorgung sicher. 50 bis 60 Prozent der Produktion ist Auftausalz, das der sicheren Mobilität im Winter dient. Die Schweizer Salinen produzieren zudem Speisesalz sowie Salz für Industrie, Gewerbe, Pharma, Landwirtschaft, Wellness oder Regeneriersalze und Badesalze. Der Bedarf an Auftausalz kann je nach Winter um den Faktor 3 bis 4 schwanken. Die Schweizer Salinen stellen die Salzversorgung dank eingespielten Prozessen und grossen Lagerkapazitäten auch bei diesen grossen Schwankungen sicher. Die Salzversorgung erfolgt zu einheitlichen und solidarischen Preisen. Das heisst, egal ob Auftausalz in die nahe Stadt Basel oder ins ferne Puschlav geliefert wird, es ist immer derselbe Preis geliefert ins Salzsilo des Kunden. Damit werden Randregionen gesamtschweizerisch unterstützt.

Mit den Abbaukonzessionen in den Kantonen Aargau und Basel-Landschaft verfügen die Schweizer Salinen über Planungssicherheit bis ins Jahr 2075. Welche strategischen Ziele verfolgen Sie aktuell für die nächsten 5 bis 10 Jahre?
Kern unserer Tätigkeit ist die Sicherstellung unseres Versorgungsauftrags. Damit dafür langfristig genügend Salz zur Verfügung steht, ist in den nächsten Jahren die Erschliessung neuer Salzvorkommen in den Kantonen Aargau sowie Basel-Landschaft sehr wichtig. Zentral ist für uns auch die Planung und Umsetzung des Projekts Salina Futura mit dem Bau der neuen Saline in Riburg.
Unter dem Projektnamen «SalinaFutura» treiben die Schweizer Salinen ihre Weiterentwicklung voran. Was sind die zentralen Inhalte und Ziele dieses Projekts?
Das Projekt Salina Futura umfasst insbesondere einen Neubau am Standort Riburg mit Fokus auf moderne, energieeffiziente und wirtschaftliche Anlagen.
Für den Neubau der Saline Riburg investiert Ihr Unternehmen rund 280 Millionen Franken. Welche Bedeutung hat dieses Projekt für die zukünftige Versorgungssicherheit mit Salz in der Schweiz?
Der Entscheid für einen Neubau erfolgte vor dem Hintergrund, dass die bestehenden Anlagen in Schweizerhalle und Riburg am Ende ihres Lebenszyklus angekommen sind. Entsprechend ist das Projekt ein zentraler Bestandteil der künftigen Salzversorgung.
Die Standorte Schweizerhalle und Riburg liegen nur etwa 13 Kilometer auseinander. Wird es im Zuge der Weiterentwicklung zu einer Verlagerung von Arbeitsplätzen kommen? Und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen Aargau und Basel-Landschaft?
Auf absehbare Zeit wird es keine Verschiebung von Arbeitsplätzen geben, da die Saline Schweizerhalle mindestens bis 2032 weiterbetrieben wird. Zudem werden der Verwaltungsstandort, zentrale Dienste sowie Tourismusaktivitäten auch über 2032 hinaus in Schweizerhalle verbleiben. Mit der Inbetriebnahme der neuen Saline im Jahr 2032 werden Arbeitsplätze im Bereich der Produktion von Schweizerhalle nach Riburg verschoben. Zur Deckung des Salzbedarfs werden sämtliche aktive und in Planung befindliche Solfelder in den Kantonen Aargau und Basel-Landschaft benötigt. Für den Transport der Sole zur Saline Riburg wird zudem eine unterirdische Transportleitung von der Saline Schweizerhalle zur Saline Riburg geplant.

Der Standort Schweizerhalle ist mindestens bis 2032 gesichert. Welche Perspektiven sehen Sie darüber hinaus für diesen Standort?
Der Standort Schweizerhalle bleibt langfristig erhalten. Dort wird über 2032 hinaus der Verwaltungsstandort der Schweizer Salinen mit den zentralen Diensten, dem Tourismusbereich sowie der Verwaltung bestehen bleiben. Mit Inbetriebnahme der neuen Saline wird die Produktion in Riburg weitergeführt.
Wie erfolgt der Salzabbau in der Schweiz?
Die Schweizer Salinen dürfen nur innerhalb ihrer Konzessionsgebiete Salz gewinnen. Das Salz wird nach dem neusten Stand der Technik und Wissenschaft gefördert. In der Nordwestschweiz werden dazu Solfelder erschlossen, wozu es die Bewilligung der Behörden und einen Umweltverträglichkeitsbericht braucht. Auf den bewilligten Solfeldern werden Bohrungen erstellt. Nachdem diese erstellt wurden, wird Wasser in die Salzschicht im Untergrund gepumpt, damit sich das feste Salz löst und Sole entsteht. Dieses Verfahren läuft unterirdisch und geräuschlos ab. Die Sole gelangt dann über eine unterirdische Transportleitung in die Saline, wo sie enthärtet, eingedampft, zentrifugiert und getrocknet wird, bis reines Salz zurückbleibt. Diese Art der Produktion nennt man Siedesalzverfahren, welches auch in der Saline in Bex angewendet wird, jedoch wird dort das Salz aus den Felsen der dortigen Salzmine gelöst.
Welche Rolle spielt Klimaschutz und Nachhaltigkeit in Ihrer Unternehmensstrategie und gibt es Innovationen, die die Salzproduktion künftig umweltfreundlicher machen könnten?
Nachhaltigkeit ist ein fester Bestandteil der Unternehmensstrategie. Die Schweizer Salinen legen bei ihrer Tätigkeit höchste Priorität auf die Sicherheit von Mensch und Natur. Die Salzproduktion erfolgt heute und in Zukunft so emissionsarm und ressourcenschonend wie möglich. Der jüngst realisierte Flashverdampfer in der Saline Riburg etwa sorgt für Energieeinsparungen. Bei der Solereinigung konnten wir unseren Bedarf an Kalk und Soda deutlich reduzieren, wir nutzen Photovoltaik und bei der Saline in Bex betreiben wir ein eigenes Wasserkraftwerk. Zugleich arbeiten wir an weiteren Nachhaltigkeitsprojekten. Zudem unterstützt unser Naturfonds Salzgut Biodiversitätsprojekte in den Regionen, in welchen wir Salz gewinnen.
Interview: Corinne Remund
Über die Schweizer Salinen AG
Die Schweizer Salinen beschäftigen an ihren Standorten Riburg, Schweizerhalle sowie Bex 300 Mitarbeitende und produzieren jährlich 400’000 bis 600’000 Tonnen Salz. Sie stellen die inländische Versorgung mit allen Salzarten durch Eigenproduktion, Lagerung und Handel bis in die entlegensten Gebiete der Schweiz sicher.
www.salz.ch
www.salina-helvetica.ch
Zur Person
Stefan Schenker (57) ist promovierter Lebensmittelingenieur (Dr. sc. techn. ETH) und verfügt über einen MBA-Abschluss. Während seiner beruflichen Laufbahn war er in mehrjährigen Führungspositionen bei Nestlé, Bühler und GEA tätig. Er lebt in Zetzwil (AG).




